Journeys from Berlin/1971

Selected and introduced by Bassem Saad.

In den Worten seiner Protagonistin, der Kritikerin Annette Michelson, ist Journeys from Berlin/1971 ein „hochgradig auto-analytisches“ Werk. Michelson spielt eine geschwätzige Analysandin, die auf einem Boot oder an einem Schreibtisch sitzt, in einer mehr oder weniger Brecht‘schen oder slapstickhaften Szenografie, und einem*einer Analytiker*in gegenübersitzt, der*die entweder von Rainer selbst oder von einem blonden Kind gespielt wird.

Rainer begann mit der Arbeit am Film während ihres Aufenthalts in West-Berlin, im Rahmen eines DAAD-Stipendiums von 1976 bis 1977, der mit dem Höhepunkt der Aktivitäten der Baader- Meinhof-Gruppe zusammenfiel. Natürlich konstruiert Rainer hier keine geradlinigen Erzählungen, sondern ein filmisches Werk mit einer Reihe rätselhafter Szenen. Das Jahr 1971 im Titel verweist auf Rainers Selbstmordversuch in New York. Sie führt aus: „Dem Film unterliegt im Subtext die Aussage, dass Frauen eine unterdrückte Klasse darstellen, für die – an sich und unter entsprechenden Bedingungen – bestimmte Handlungsoptionen eher als Antwort auf diese Unterdrückungsbedingungen in Frage kommen als andere. Selbstmord im persönlichen Bereich, Attentat im politischen Bereich“.

Journeys from Berlin/1971 ist ein Film, aus dem ich immer wieder lerne. Ich greife häufig auch auf den Drehbuchtext zurück, verfolge seine Verbindungen und Einflüsse und ertappe mich dabei, wie ich Rainers projizierte Szenen von Berlin als erweiterte Metaphern auffasse, die auf meine eigene Zeit in dieser Stadt einwirken.

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